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Kapitalerträge

 

25% Kapitalertragsteuer auf Zinsen bezahlt - und fertig? Ganz so einfach ist das nicht.

 

Zum einen gibt es Kapitalerträge, die nicht der der Kapitalertragsteuerpflicht unterliegen und die Sie damit selbst über Ihre Einkommensteuererklärung versteuern müssen, z.B. Zinsen von ausländischen Konten, aber auch Zinsen aus Verwandtendarlehen oder aus einem Darlehen an Ihr eigenes Unternehmen sind betroffen. Diese Zinsen sind in der Anlage KAP anzugeben.

 

Andererseits haben Sie einen Rückzahlungsanspruch gegenüber dem Finanzamt, wenn Kapitalertragsteuer einbehalten wurde, Ihr Sparerfreibetrag aber noch nicht berücksichtigt wurde und/oder Ihr persönlicher Steuersatz unter 25% liegt - dann haben Sie zu viel Kapitalertragsteuer bezahlt. Über die Einkommensteuererklärung erhalten Sie Ihr Guthaben dann zurück.

 

Was von mir schon länger in der Info für die Besteuerung der Kapitalerträge vorausgesagt wurde, wird in Kürze Realität: Im Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU/SPD am 7. Februar 2018 geeinigt auf folgenden Text (Zeilen 3116 und 3117):

 

wörtlich: Die Abgeltungssteuer auf Zinserträge wird mit der Etablierung des automatischen Informationsaustausches abgeschafft.

 

Übersetzt in Normaldeutsch heißt dies: Mit der 25%-Abgeltungssteuer ist bald Schluß. Vorerst nur Zinsen (wenn ich das aus dem Text richtig lese und verstehe), bald folgend sicher auch Dividenden werden dann wie alle anderen Einkünfte auch zum persönlichen Steuersatz besteuert. Denn der automatische Informationsaustausch ist mit den längst eingeführten persönlichen Steuer-Identifikationsnummern Realität.

 

Wenn die Kapitalerträge dann einzeln in der Einkommensteuererklärung aufgeführt sind, ist es nur ein kleiner Schritt, auf die Quelle der Kapitalerträge zuzugreifen: Ihr Kapitalvermögen.

 

Noch etwas weiter entfernt aber durchaus erkennbar wird dadurch: die Vermögensteuer.

 

 

Bestandschutz ade: Die bisher gesetzlich zugesicherte Steuerfreiheit für "Altbestände" in Ihrem Wertpapierdepot (also Anschaffungen bis 31.12.2008) ist inzwischen ohnehin schon eingeschränkt worden. Gewinne beim Verkauf sind nur noch bis insgesamt EUR 100.000 steuerfrei (das gilt für Verkäufe ab 01.01.2018).

 

 

Investmenterträge ab 2018: Bei der Veräußerung von Investmentfonds, die ihre Gewinne intern wieder angelegt  (thesauriert, also nicht ausgeschüttet) haben, mußte anhand früherer Belege nachgewiesen werden, wie hoch der steuerpflichtige Veräußerungsgewinn (oder -verlust) war - ein oft nicht zu bewältigender Aufwand, besonders wenn teilweise thesauriert und teilweise ausgeschüttet worden war und der Fonds im Ausland registriert war.

 

Damit ist ab 2018 Schluß. Ein neues und offensichtlich brauchbares System wurde geschaffen - allerdings so kompliziert, dass Sie es kaum durchschauen können. Gut aber, dass Ihre Depotbank alles per EDV für Sie als Anleger erledigt.

 

 

Gespaltene Gesellschaft in Deutschland - die einseitige Sicht der Politik

 

Im Koalitionsvertrag habe ich vergeblich nach einer lange erwarteten Lösung für unsere Ruhestandsmandanten gesucht: die Zusammenführung von Beamten und Nichtbeamten. Wenn eine in etwa gleiche berufliche Belastung und Leistung während des Berufslebens angenommen wird, stellt sich schon die Frage, warum die eine Gruppe ohne eigene Beitragszahlungen Pensionen erhält, die den Fortbestand ihres bisherigen Lebensstandards ermöglicht (samt 70-%iger Beihilfe bei den Krankheitskosten), die andere Gruppe trotz arbeitslebenslanger Beitragszahlung aber nur eine relativ bescheidene gesetzliche Rente erhält und nur mit eigener privater Vermögensvorsorge den bisherigen Lebensstandard sichern kann. Die Aufhebung dieser Spaltung sollte endlich einmal angegangen werden.

 

Ein Blick in die berufliche Herkunft unserer Bundestagsabgeordneten zeigt, dass dieser Wunsch kaum in Erfüllung gehen wird. Die große Mehrheit ist beamtet - ein Verzicht auf deren Privilegien ist wohl kaum zu erwarten.

 

Der Staat organisiert sich - lädt uns aber die Arbeit und Kosten hierfür auf

 

Bilanzen sind seit 2014 elektronisch beim Finanzamt einzureichen, wegen zusätzlich meist erforderlicher Erläuterungen allerdings auch noch per Post, da sonst eine Flut von Rückfragen des Finanzamtes beim Steuerberater eintrifft. Steuerklärungen, Einnahmen-Überschuß-Rechnungen, die Entwicklung des Anlagevermögens - alles fließt nur noch elektronisch zum Finanzamt, natürlich in exakt der vorgeschriebenen Form, in vorgegebene Konten, freundlich bezeichnet als "Taxonomie".

 

Das Finanzamt spart sich damit die Übernahme der Daten in die eigene EDV, kann ohne eigenen Aufwand vergleichen mit den Vorjahreswerten, mit branchengleichen Betrieben, mit Durchschnittswerten. Auffälligkeiten erkennt nicht mehr der Sachbearbeiter, sondern sein Bildschirm gibt die Impulse zu Rückfragen, am besten mit standardisierten Rückfragen.

 

 

Kleinstkapitalgesellschaften - Anhang ja oder nein? Hinterlegung oder Offenlegung?

 

Der Vorteil für "Kleinstkapitalgesellschaften" oder "Micro-GmbH's" keinen Anhang mehr erstellen zu müssen (Umsatz bis EUR 700.000, Bilanzsumme bis EUR 350.000 und Zahl der Arbeitnehmer bis 10, davon zwei Kriterien) wird zwar als Vorteil genannt. Da aber einzelne Angaben "unter der Bilanz" trotzdem verpflichtend zusätzlich zu machen sind, relativiert sich diese vermeintliche Vereinfachung und Ersparnis. Außerdem wird gerade die in dieser Größenordnung meist erforderliche Fremdfinanzierung nur möglich sein, wenn der Kreditgeber oder die Leasinggesellschaft auch die im Anhang zu machenden Angaben vorliegen hat, sie werden also zusätzlich und nachträglich vorzulegen sein. Es sollte daher im Einzelfall überlegt und entschieden werden, ob der Jahresabschluss zusammen mit dem Anhang erstellt wird oder auf den Anhang verzichtet werden soll. 

 

Übrigens: Auch die Micro-GmbH's müssen ihren Jahresabschluss beim Unternehmensregister einreichen, wenn auch wahlweise in vereinfachter Form der "Hinterlegung" und nicht in der jedem ohne weiteres einsehbaren "Offenlegung". Bei der Hinterlegung muss ein interessierter Außenstehender den Jahresabschluss - gegen eine kleine Gebühr - anfordern, einsehen kann er ihn also auch so. Trotzdem empfehlen wir die Hinterlegung bei den Micro-GmbH's, es sei denn Gründe der Öffentlichkeitsdarstellung sprechen für die vorbehaltslose Offenlegung.